
Waren Sie in letzter Zeit in der Kirche? Wenn nicht, so wissen Sie doch sicher noch, wie es in großen Kirchen klingt. Jedenfalls völlig anders als in Ihrem Wohnzimmer. Und da klingt es wieder völlig anders als im Badezimmer oder im Keller.
Wir halten also fest: Unterschiedliche Räume können extrem unterschiedlich klingen. Eine besonnen ausgesuchte HiFi-Anlage kann daher beim Händler wirklich gut und bei Ihnen zu Hause ganz anders klingen – obwohl dieselben Komponenten im Spiel sind. Aber wie erklären sich die Unterschiede von Raum zu Raum? Und wie klingt der optimale Hörraum?
Zum besseren Verständnis der Raumakustik müssen wir zuerst die hörbaren Frequenzen auf zwei Bereiche unterteilen: den mittleren und hohen sowie den tiefen Frequenzbereich. Die Grenzfrequenzen zwischen diesen Bereichen hängt von der Raumgröße bzw. Volumen ab. Zum Beispiel, in einem Zimmer mit 60 Kubikmeter Volumen liegt die Grenzfrequenz bei 180 Hz und in einem 10 000 Kubikmeter großen Konzertsaal bei 33 Hz. Oberhalb dieser Grenzfrequenz sind die Raumdimensionen größer als die Wellenlänge der einzelnen Frequenzen; eine Wand mit vier Meter Breite und drei Meter Höhe ist riesig im Vergleich zu der nicht einmal 4 Zentimeter langen Welle eines 10 KHz-Tones. Es gilt also hier das Modell der geometrischen Akustik, bei welcher der Schall in Form von Schallteilchen von den Raumbegrenzungen bzw. Einrichtungsgegenständen reflektiert wird. Wie Billardkugeln von der Bande werden diese Teilchen von den Wänden abgestoßen. Da sie sich in Schallgeschwindigkeit ( 344 Meter pro Sekunde) ausbreiten, treffen sie in einem Wohnraum 50 bis 100 mal pro Sekunde auf eine Wand. Je nachdem, wieviel Energie sie auf ihrem Raum verlieren wir ein Raum mehr oder weniger Hallig klingen. Diese Phänomene gelten aber eben nur für die mittleren und hohen Frequenzen. Unterhalb der erwähnten Grenzfrequenzen aber auch unter halb birgt der Raum eine Reihe handfester Probleme. Einzelne Wellen können sich überlagern und dabei verstärken oder gegenseitig auslöschen. Daraus entstehen dann die sogenannten Raummoden. Dies sind dreidimensionale stehende Wellen mit einer charakteristischen Eigenfrequenz und einer ungleichmäßigen räumlichen Verteilung des Pegels. Jeder Raum egal wie groß kennt diese Raumresonanzen. Beim durchqueren des Zimmers kann man den schwankenden Schallpegel wahrnehmen.
Mittels eines Sinus-Tiefton von einer Test-CD abgespielt ist diese Phänomen gut wahrzunehmen. Deshalb ist jede Absorption in diesem Bereich wichtig und linearisiert die Tieftonwiedergabe. Ein Bassmangel erklärt sich meisenst durch ungünstige Aufstellung.
Nachhallzeit
Die wichtigste Größe zur Charakterisierung eines Raumes ist meiner Meinung die Nachhallzeit.
Sie ergibt sich aus der geometrischen Form des Raumes, der Beschaffenheit der Wand und Bodenflächen sowie der Einrichtung. (Nachhallzeitmessen ist am Handy mittels App möglich). Es gibt im Internet auf der Webseite www.fastaudio.com sogar einen kostenlosen Nachhallzeitrechner.
Ermittelt man die Nachhallzeit bei allen Frequenzen des Hörspektrums erhält man eine Art Frequenzband des Raumes. Dieser Frequenzgang sollte wie auch bei allen Audio-Komponenten möglichst linear sein.
Leicht zu erkennen ob sich die Nachhallzeit im empfohlenen und idealen Bereich von 0,3 bis 0,5 befindet ist wenn ihre Stimme natürlich und angenehm und nicht eigenartig hohl klingt.
Bei Einrichtungen wie schwere Gardinen, Vorhänge, Teppich sowie Möbel mit Stoffbezügen ist diese Problematik weniger ausgeprägt. Es sollte aber auf keinen Fall der Raum überdämpft werden, er schluckt zuviel Schallenergie und die Wiedergabe wird stumpf.
Eine Möglichkeit die Nachhallzeit im Idealbereich zu behalten ist die Verwendung von Diffusoren, sie streuen und reflektieren nicht direkt.
Hier ein kleiner überblick über die Frequenzbeeinflussung einzelner Diffusoren.


Solche Dinger können auch leicht selber gebaut werden. Sehr effektiv erweisen sich Diffuseren wenn sich der Hörplatz nicht weit genug von einer Wand befindet. In Ohrenhöhe hinter dem Hörplatz angebracht ergibt ein neues Klangerlebnis.
Zusammenfassung
Abschließend möchte ich festhalten: Der Lautsprecher ist immer nur so gut wie der Raum in dem er steht. Beides zusammen ist eine unauflösliche Symbiose-klingt das eine nicht, wird auch das andere nur unvollkommen klingen.
Der Raumakustik kommt deshalb eine wesentliche Rolle bei der Wiedergabe zu. Bevor Sie tausende Euros für Lautsprecherkabel ausgeben investieren Sie lieber in ein paar sinnvoll eingesetzte Absorber bzw. Diffusor.
Auch wenn diese nicht immer toll aussehen, diejenigen die ein Optimum aus ihrer Anlage herausholen wollen kommen an entsprechenden Raumakustik-Maßnahmen nicht vorbei.
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